Alaaf! Helau! Warum Verkleiden gut tut

von Thomas Anthes

Piraten, Marienkäfer, Clowns: In der fünften Jahreszeit streifen wieder viele Menschen in bunten Kostümen durch die Straßen und feiern ausgelassen. Warum sich Menschen verkleiden und welche Effekte Kostüme auf die Psyche haben, erklärt die Psychologieprofessorin Dr. Katja Mierke von der Hochschule Fresenius.

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Während der Karnevalszeit ist es gesellschaftlich akzeptiert, aus der Reihe zu tanzen. Kostüme unterstützen dabei den Prozess der Enthemmung, denn man nimmt spielerisch eine andere Persönlichkeit an, bleibt vielleicht sogar unerkannt und reduziert damit persönliche Verantwortung. Die Folge: Neue Rollen- und Verhaltensspielräume sowie soziale Interaktionsmöglichkeiten eröffnen sich. Da die Identität eines jeden Menschen vielfältig und komplex ist, gibt es zahlreiche Ego-States, also Persönlichkeitsanteile, die im Alltag mehr oder weniger ausgelebt werden können. „So schlüpfen wir auf der Arbeit in unser professionelles Ich, zu Hause in das der fürsorglichen Mutter und mit Freunden können wir zwanglosere Seiten ausleben“, erklärt Mierke. „Mithilfe von Kostümen haben wir die Möglichkeit, Facetten zu erproben, die in unserem Alltag zu kurz kommen.“

Piraten: Wild und frei

Seit Jahren sei zum Bespiel das Piratenkostüm besonders beliebt. „Es repräsentiert unsere anarchische, wilde, freiheitsliebende Seite – ganz nach dem Motto: Ich nehme mir, was mir gefällt. Eine solche Seite schlummert in vielen von uns, doch die Konventionen des Alltags erlauben es uns oft nicht, diese Eigenschaften auszuleben“, so die Psychologin. „Allein durch das Tragen eines Piratenoutfits entstehen Gefühle, die wir mit dem Piratendasein assoziieren. Wir denken und bewegen uns dann auch anders als im Feenkleidchen oder im Anzug“, argumentiert Mierke. In der Psychologie hat die Body-Feedback-Forschung gezeigt, dass Rückmeldungen aus dem Körper an das Gehirn zahlreiche weitere Prozesse beeinflussen. „Trugen Teilnehmerinnen eines Versuchs einen Blazer, wurde eine seriösere Haltung und Gefühle von Macht und Kompetenz aktiviert. Das sei auch auf Kostüme übertragbar.

Kostümieren: andere Rollen ausleben

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Hierbei spiele auch die konzeptuelle Bedeutung, mit denen Kleidungsstücke aufgeladen seien, eine Rolle. So sollten Probanden in einem Experiment von Adam und Galinsky (2012) einen weißen Kittel tragen und Tests mit Aufmerksamkeitsaufgaben lösen. Die Versuchsgruppe, in der der Kittel zuvor als Arztkittel deklariert wurde, schnitt besser ab, als die Vergleichsgruppe, die den gleichen Kittel für einen Malerkittel hielt. Kleidungsstücke haben folglich Auswirkungen auf das Innenleben, die durch die Wechselwirkung mit der Außenwelt noch verstärkt werden. Aus der Psychotherapierforschung weiß man, dass Menschen, die ihre Identität in vielen verschiedenen Rollen ausleben können und dafür ein positives Feedback erhalten, besser mit Rückschlägen umgehen können. Das Kostümieren fördere das Ausleben anderer Rollen und könne daher positive Effekte auf die Psyche des Menschen haben. „Dem inneren Piraten sollte man also nicht nur in der Karnevalszeit, sondern auch im Alltag etwas Raum geben“, empfiehlt Mierke in einer Mitteilung.

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