Neuer Wirkstoff gibt Hoffnung bei chronischer Nesselsucht

von Thomas Anthes

Gute Nachrichten für Menschen mit einer chronischen spontanen Urtikaria, im Volksmund als  Nesselsucht bekannt: Ein Team um den Charité-Allergologen Prof. Dr. med. Marcus Maurer forscht an einem Wirkstoff erforscht. Dieser soll die häufig mit einer Urtikaria-Form einhergehenden Beschwerden wie Quaddeln und juckenden Schwellungen wirksamer lindern als Mittel, die bisher im Handel sind. Beim neuen Wirkstoff Ligelizumab handelt es sich um einen Antikörper, der an das Immunglobulin E (IgE) bindet. Diesem kommt eine Schlüsselrolle bei allergischen Reaktionen wie Heuschnupfen oder allergisches Asthma zu. Es ist Wissenschaftlern zufolge auch mitverantwortlich für die Beschwerden bei Patienten mit dieser chronischen Krankheitsform.

Unterschiedliche Ursachen

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Von einer chronisch spontanen Urtikaria sprechen Dermatologen dann, wenn diese länger als sechs Wochen andauert. Eine solche Nesselsucht, bei der Quaddeln und sich rasch entwickelnde, schmerzlose und selten juckende Schwellungen von Haut und Schleimhaut (Angioödeme) mit unterschiedlicher Häufigkeit auftreten, kann viele Ursachen haben. Autoreaktionen als Zeichen von Unverträglichkeit körpereigener Stoffe gehören ebenso dazu wie ansonsten unauffällig verlaufende Infekte, Hypersensibilität gegen Nahrungszusätze oder Medikamente sowie Allergien. In der dermatologischen Praxis ist es nicht selten, dass die chronisch spontane Nesselsucht Jahre und manchmal auch Jahrzehnte andauern kann und Patienten häufig nicht ohne die stetige Einnahme von Medikamenten leben können, die den Juckreiz unterdrücken. Hautärzte empfehlen bei schwer verlaufender chronischer Urtikaria eine systematische und gründliche Suche nach Auslösern und Ursachen, um diese am Ende zu ermitteln und zu beseitigen.

Drei Versuchsgruppen im Anwendungstest

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Das Team um Prof. Dr. Marcus Maurer, der sich auch in der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) für Allergie-Aufklärung und zusätzliche Medizinforschung einsetzt, bildete aus 382 Studienteilnehmern drei Gruppen. Während die Studiengruppe den neuen Wirkstoff Ligelzumab unter die Haut gespritzt bekam, erhielt die erste Vergleichsgruppe mit dem Antikörper Omalizumab, ein in der Wirkungsweise vergleichbares Präparat. Die dritte Gruppe erhielt ein Placebo. Das Team untersuchte außerdem unterschiedliche Ligelizumab-Dosierungen sowie die Einmal- und Mehrfachgabe.

Ligelizumab schlägt bisherigen Wirkstoff

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Die Ärzte kontrollierten jede Woche die Beschwerden der Patienten: Bei mehr als der Hälfte der Patienten, die Ligelizumab in einer Dosis von 72 Milligramm bekommen hatten, verschwand der Hautausschlag komplett; eine höhere Dosierung führte zu keinem besseren Ergebnis. Im Vergleich dazu war in der gleichen Zeit nur jeder Vierte mit Omalizumab Behandelte beschwerdefrei. In der Placebo-Gruppe änderten sich die Symptome überhaupt nicht. „Diese wichtige Studie zeigt, dass Ligelizumab bei der Behandlung von Patienten mit chronischer Urtikaria wirksamer ist als Omalizumab, das einzige bisher für diese Erkrankung zugelassene Medikament außer Antihistaminika,“ so Marcus Maurer.

Weitere Forschungen notwendig

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die letzte Stufe, bevor für ein Medikament die Zulassung beantragt werden kann. Für die beiden jetzt folgenden, so genannten Phase-III-Studien werden jeweils mehr als 1000 Patienten aus vielen verschiedenen Klinken untersucht. Erste Ergebnisse erwarten die Forscher im kommenden Jahr.

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