Sommerhitze: Warum Trinken jetzt so wichtig ist

von Thomas Anthes

Über das Trinken ist viel geschrieben worden. Warum? Weil es wichtig ist. Wenn wir Menschen zu wenig trinken, ergeht es uns wie der Blume, die nicht gewässert wird: Wir welken. Wir trocknen aus, werden matt und müde, verlieren alle Energie und Vitalität und lassen unsere Köpfe hängen. Wie die Blume brauchen wir Wasser, um stark, gesund und schön zu sein. Glücklicherweise hat sich inzwischen herumgesprochen, wie wichtig regelmäßiges und ausreichendes Trinken ist. Trotzdem wird hier noch immer geschludert.  Oft trinken wir – wider besseren Wissens – zu wenig oder auch das Falsche.

Kapitel 1: Wie viel muss ich trinken?

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„Durst“, steht über dem Eingang des Hofbräuhauses in München, „ist schlimmer als Heimweh.“ Völlig richtig, der Satz. Durst kann quälend sein, man kann sogar verdursten, und eigentlich ist Durst ein sehr gutes Warnsignal des Körpers, dass man jetzt schnell etwas trinken sollte. Das Problem ist nur: Genauso wenig wie manche Menschen das Gefühl des Heimwehs nicht kennen, haben sehr viele von uns das Gefühl für Durst verloren. Viele von uns spüren einfach keinen Durst, das kann am Alter liegen – Kinder und ältere Menschen sollen ja in dieser Hinsicht besonders unsensibel sein –, aber auch an unserem hektischen Lebensstil, der uns einfach zu wenig Zeit lässt, um auf die Signale unseres Körpers zu hören. Daher gilt: Für den Menschen, der im Einklang mit der Natur lebt, ist Durst sicher ein guter Wecker, um zu trinken. Alle anderen sollten sich nicht darauf verlassen.

30 bis 40 Milliliter pro Kilo Körpergewicht

Erwachsene scheiden täglich etwa 2,5 Liter Wasser aus, vor allem durch Urin und Schweiß. Die Menge ist natürlich nur ein grober Durchschnitt und sogar individuell stark schwankend. Wer bei 30 Grad im Schatten einen Marathon läuft, schwitzt um ein Vielfaches mehr, als wenn er in einem kühlen Raum Mathematikaufgaben löst. Daher muss der Marathonläufer natürlich viel mehr trinken als der Mathematiker, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Eine Faustregel lautet: Trinken Sie 30 bis 40 Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Körpergewicht von beispielsweise 75 Kilogramm sind das 2,6 Liter, die man trinken oder über die Nahrung aufnehmen sollte.

Kapitel 2: Was soll ich trinken?

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Getränk Nummer eins ist eindeutig Wasser. Ob Mineralwasser mit oder ohne Kohlensäure oder ob Leitungswasser, ist von sekundärer Bedeutung. Bei sehr großem Schweißverlust sollten Sie zu Mineralwasser greifen, um den Verlust der Mineralstoffe auszugleichen. Nicht nur wegen des besseren Geschmacks, sondern auch aus ökologischen Gründen empfiehlt sich das Wasser aus Glasflaschen. Wer sein Wasser lieber mit etwas Geschmack trinkt, kann ein paar Scheiben Apfel oder Zitrone hinzufügen. Extra-Tipp: ein Stück Ingwer in die Karaffe. Wem das immer noch nicht reicht, sollte sich eine Schorle mixen, wobei das Getränk zu einem Drittel aus Fruchtsaft (Apfel, Maracuja etc.) und zu zwei Drittel aus Wasser bestehen sollte.

Fruchtsaft, Cola & Co. – lieber einen Bogen drumherum machen

Alle anderen Getränke sind natürlich nicht verboten, sollten aber nur in deutlich geringeren Mengen zu sich genommen werden. Zuckerhaltige Limonaden, Cola und Fruchtsäfte sind nicht nur aufgrund ihrer vielen Kalorien, sondern auch aus Gründen der Zahngesundheit nicht zu empfehlen. Getränke mit künstlichem Süßstoff sind nur wenig besser; Aspartam & Co. stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen oder zu begünstigen, außerdem regen sie den Appetit an. Auch Kaffee ist kein Durstlöscher, wenn auch die Auffassung, Kaffee wirke entwässernd, widerlegt worden ist. Über Alkohol müssen wir an dieser Stelle sicher nicht sprechen. Alkoholfreies Bier ist ebenfalls kein Grundnahrungsmittel und sollte nicht zuletzt auch wegen der vielen Kalorien in Maßen – und nicht in Maßkrügen – konsumiert werden.

Kapitel 3: Kann man auch zu viel trinken?

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Ja, natürlich! Nämlich vom Falschen! Alle zuckerhaltigen oder auch mit künstlichem Süßstoff versehenen Getränke, Fruchtsäfte und natürlich Alkohol und Kaffee sollten Sie nur in Maßen zu sich nehmen. All diese Getränke sind keine Durstlöscher und nicht geeignet, Ihren Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Hin und wieder liest man auch das erschreckende Wort „Wasservergiftung“.  Es sind tatsächlich schon Menschen gestorben, weil sie in sehr kurzer Zeit viel zu viel Wasser in sich hineingeschüttet haben, sei es wegen einer Wette oder auch während eines Marathonlaufs oder Ironman-Triathlons. Dabei reden wir von sechs bis acht Litern in wenigen Stunden. Das Problem besteht darin, dass diese enorme Flüssigkeitsmenge den Salzhaushalt im Organismus durcheinander bringt. In allen Körperzellen und auch im Zellzwischenraum sind Wasser, Salze und Mineralstoffe, die die Zellen für ihre Funktion brauchen, so genannte Elektrolyte. Besonders wichtig sind Natrium und Kalium. Kommt in kurzer Zeit zu viel Wasser ins Gewebe, strömt es schnell in die Zelle ein. Denn dann besteht ein Unterschied in der Salzkonzentration zwischen dem Wasser außerhalb und innerhalb der Zelle. Dieses Gefälle wird aus physikalischen Gründen ausgeglichen – Flüssigkeiten streben nach einer gleichmäßigen Konzentration von gelösten Stoffen. In die Zelle strömt mehr Wasser ein, als sie verkraften kann, es verringert sich die Salzkonzentration.

Wenn zu viel Wasser das Gehirn unter Druck setzt

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Das kann zu Herzrhythmusstörungen führen, und die Nieren hören irgendwann auf zu arbeiten. Denn weil die Salzkonzentration im ganzen Körper sinkt, stellt der Organismus auf ein Notprogramm um: Bloß keinen Urin produzieren, damit nicht noch mehr Salze verloren gehen! Schließlich gerät auch der Kopf unter Druck: Wasser sammelt sich im Hirngewebe an. Für das Gehirn ist die Überschwemmung besonders kritisch, denn der knöcherne Schädel lässt keinen Platz zum Ausdehnen. Deshalb treten bei einer Wasservergiftung Kopfschmerzen auf. Gleichzeitig führt der Hirndruck zu einem Lungenödem, die Lungenbläschen füllen sich mit Wasser, Atemnot ist die Folge. Das Wasser im Gehirn löst Schwindel, Erbrechen und Krämpfe aus – in schweren Fällen kommt es zum Koma bis hin zum Tod.

Also auch hier gilt: Trinken Sie ausreichend, aber übertreiben Sie es nicht.

Kapitel 4: Wann soll ich trinken?

Natürlich können Sie direkt nach dem Aufstehen erst einmal eine Flasche Wasser „auf ex“ ihre Kehle hinuntergurgeln lassen. Dann hätten Sie immerhin schon fast ein Drittel Ihres täglichen Flüssigkeitsbedarfs gedeckt. Diese Radikalkur ist allerdings nicht zu empfehlen. Besser ist es, wenn Sie regelmäßig über den ganzen Tag verteilt immer wieder ein Glas Wasser zu sich nehmen. Kleiner Tipp für alle, die in der Tageshektik das Trinken gerne vergessen: Stellen Sie morgens drei 0,7-Liter-Wasserflaschen auf die Arbeitsfläche in der Küche oder auf Ihren Schreibtisch. Dann haben Sie sie immer wieder im Blick und werden daran erinnert, ein Glas zu trinken. Das Ziel ist, dass die Flaschen am Abend leer sind.

Kapitel 5: Alternative zum Trinken: Essen!

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Unserem Körper ist es letztendlich völlig egal, wo die Flüssigkeit herkommt, die er für sein einwandfreies Funktionieren benötigt. Die größte Menge erhält er natürlich durch das, was wir trinken, aber auch in unserer festen Nahrung ist Flüssigkeit, in der einen mehr, in der anderen weniger. Ein paniertes Schnitzel zum Beispiel ist unter dem Gesichtspunkt des Flüssigkeitsausgleichs weniger gut geeignet (im Gegenteil). Aber vor allem die sehr wasserhaltigen Obst- und Gemüsearten wie insbesondere die Gurke (97 Prozent Wasseranteil) oder die Wassermelone (96 Prozent Wasseranteil) sind gute Alternativen für alle, die gerne mal was zwischen die Zähne haben möchten. Auch Tomaten, Salat, Rhabarber, Spargel, Zucchini, Radieschen, Paprika, Erdbeeren, Papayas und Orangen haben einen Wasseranteil von über 90 Prozent, um nur einige zu nennen.

Kapitel 6: Denken Sie auch an andere!

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Sorgen Sie nicht nur dafür, dass Sie selbst ausreichend trinken, sondern auch Ihre Familie und andere, an deren Wohl Ihnen etwas liegt. Geben Sie Ihren Kindern eine Flasche Wasser mit in die Schule und zum Sportverein. Zum gemeinsamen Abendessen mit dem Partner oder der Partnerin stellen Sie ein großes Glas Wasser auf den Tisch. Und auch als Arbeitgeber oder Vorgesetzter sollte es Ihnen nicht gleichgültig sein, ob Ihre Mitarbeiter genug trinken; schon aus eigenem Interesse, denn wer zu wenig trinkt, leistet auch weniger. Also spendieren Sie ruhig mal eine Kiste Mineralwasser, gerade jetzt im Sommer. Und nicht zuletzt: Denken Sie auch an die Tiere, an Ihren Hund, der immer einen gefüllten Wassernapf haben sollte, und an die Vögel im Garten, die sich über eine Vogeltränke freuen.

Woran erkennt man, dass man zu wenig getrunken hat?

An diesen Merkmalen erkennen Sie, dass Sie zu wenig getrunken haben:

  • Durst
  • Plötzlich auftretende Kopfschmerzen
  • Konzentrationsmangel/Müdigkeit/Mattigkeit
  • Dunkler Urin

Spätestens wenn eines dieser Phänomene auftritt, sollten Sie einen großen Schluck aus der Pulle nehmen.

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