Übergewicht: Hungert das Gehirn quasi?

von Thomas Anthes

Häufig fehlt Übergewichtigen ein Sättigungsgefühl. Ein möglicher Grund dafür: In ihrem Gehirn wird Energie aus Zucker (Glukose) nur sehr stark vermindert gewonnen. Anders gesagt: Die Energiegewinnung im Gehirn ist gestört. Zu diesem Erklärungsansatz sind Wissenschaftler der Sektion für Psychoneurobiologie im Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) der Universität zu Lübeck in einer human-experimentellen Studie gekommen.

Bei Übergewichtigen veränderte sich der Energiestatus mit mehr Zucker erst einmal nicht

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Lübecker Sektion unter der Leitung der Diplom-Psychologin Ewelina K. Wardzinski und Prof. Kerstin Oltmanns untersuchte bei adipösen und normalgewichtigen Männern die Energiegewinnung im Gehirn. Dafür erhöhten die Wissenschaftler mithilfe einer Glukoseinfusion den Zuckergehalt der Teilnehmer. Sprich, die Forscher beobachteten, inwiefern sich der Energiestatus des Gehirns durch mehr Glukose veränderte.

Der Hirnenergiegehalt bei den normalgewichtigen Probanden stieg prompt an. Bei den übergewichtigen dagegen veränderte sich nichts. Als der Blutzucker durch die Infusion stark angehoben wurde, reagierte auch das Gehirn der adipösen Studienteilnehmer auf die Zuckerzufuhr – allerdings gering.

Bei Übergewichtigen ist die Energiegewinnung im Gehirn gestört

„Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass bei Übergewichtigen eine Störung der Energiegewinnung im Gehirn vorliegt“, erklärt Psychologin Wardzinski. „Möglicherweise erklärt diese Störung den chronisch reduzierten zerebralen Energiestatus bei den Betroffenen und auch, warum Übergewichtige oft kein Sättigungsgefühl spüren. Dann hungert das Gehirn gewissermaßen.“ Das würde bedeuten, dass das Gehirn kein Signal geben kann, dass man satt ist, obwohl der Zuckergehalt entsprechend ist.

Bereits 2010 entdeckte das Team um Prof. Kerstin Oltmanns, dass steigendes Körpergewicht und reduzierter Energiegehalt im Gehirn in Zusammenhang stehen. Die Ursache für den erniedrigten Energiestatus war allerdings unklar. Was klar war, war, dass ein hoher Energiegehalt, der das Großhirn betrifft, Sättigungsgefühle auslöst. Diese würden sie allerdings nicht spüren, wie Übergewichtige wiederum oft berichteten.

Die Ergebnisse der aktuellen human-experimentellen Studie wurden im Fachjournal Metabolism veröffentlicht.

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